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Musik Blog: Wenn die Musik so richtig groovt...
Wir alle kennen das: Wenn eine Musik, die uns gefällt so richtig packt, fährt einem der Rhythmus regelrecht in die Knochen… wir möchten uns sofort dazu bewegen, denn es „groovt wie die Hölle“. 😊 So oder ähnlich geht es vielen Konzertbesuchern – vor allem bei Konzerten professioneller Bands & Musiker! Und dann erleben wir aber auch mal Konzerte, wo kein Groove-Funke rüberspringt. Entweder weil die Musik nicht so rhythmisch veranlagt ist oder einfach nicht richtig professionell ausgeführt wird, denn „Groove“ hat sehr viel mit rhythmischer Spielgenauigkeit zu tun – aber nicht nur! Denn Groove ist viel mehr als das…
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Blog-Rubriken:
Allgemeine Musiklehre, E-Gitarre, Gitarre, Musik Business, Online-Kurse, Songwriting, was mich bewegt, verrückte Geschichten aus meinem Musikerleben, Musikproduktion & Recording-Tipps, ... Produktübersicht, mein Shop, digitale Produkte
Die komplexität der Bedeutung "Groove"
Du erahnst es bereits: Groove ist schwer in Worte zu fassen, weil es auch eine bestimmte Spielkultur und ein entsprechendes Rhythmusgefühl umfasst. Es ist also mehr als das rhythmische Können der einzelnen Musiker und deren Zusammenspiel, es ist ein Gemeinschaftsfunke, der übertragen wird zwischen den Musikern, die dasselbe Spielgefühl entwickeln und im Idealfall zu einer rhythmischen Einheit verschmelzen, die eine Synkope auch mal etwas anders interpretiert als es die Musiktheorie vorsieht, die gemeinsam mal den einen Ton minimal verkürzen oder auch den anderen minimal verlängern, wenn es der Groove verlangt.
Minimale rhythmische Verschiebungen, die manchmal erst den „Groove“ so rund machen.
Und genau darum geht es: Als Musiker ist es unendlich wichtig sich bewusst zu machen, was „Groove“ eigentlich bedeutet und die Wechselwirkung von genauem oder ungenauen rhythmischen Spiel im Band-Kontext zu verstehen.
Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, hier mal eine persönliche Zeit-Rückblende zurück an den Anfang der 80er-Jahre. Mit meiner ehemaligen Schüler-Band standen wir zum ersten Mal in einem Tonstudio. Für die Jüngern unter euch: Damals wurde alles noch mit Mehrspur-Tonband-Maschinen aufgenommen – Computer-gestützte Audio-Aufnahmen waren noch Lichtjahre entfernt… kein Kopieren, Schneiden oder sonstiges nachträgliches Verbessern der Spuren… jeder Musiker musste seinen Part am Stück möglichst sauber einspielen.
Als Band funktionierte unser rhythmisches Zusammenspiel schon ganz ordentlich mit ein paar persönlichen rhythmischen Schwächen, die für Musiker einer Schüler-Band vollkommen normal sind. Aber wir hatten keine Ahnung von Studioaufnahmen oder noch weniger hatten wir Erfahrung zum Metronom zu spielen. Wir wollten aber „professionell“ aufnehmen, mit „Clicktrack“, so wie die Profi-Bands – und genau das wurde uns zum Verhängnis.
Zum einen hatte kaum jemand von uns je richtig zum Metronom geübt. Zum anderen fehlte uns die Erfahrung zum „Studio-Monitoring“, also welche Spuren bei der Aufnahme für den jeweils aufnehmenden Musiker am wichtigsten sind. Denn nachdem wir als Band für jeden Song einen „Guidetrack“ zur Orientierung aufgenommen haben, wollten wir - wie unsere Band-Vorbilder - Track by Track aufnehmen, da nur so in einem engen Studio mit nur einem Aufnahmeraum eine gute Spurentrennung möglich ist. Das Übersprechen ist sonst ziemlich groß, sodass man später beim Abmischen riesige Probleme bekommt. Die wollten wir gerne vermeiden und handelten uns dafür andere ein. 😊
Der Metronom-alptraum im Tonstudio
Denn keiner von uns spielte rhythmisch perfekt oder hatte das perfekte Timing. Was als Band nicht so wahnsinnig auffiel (außer, dass es bei den Profis doch irgendwie „tighter“ klang), sorgte im Studio für kleinste Verschiebungen gegenüber dem Metronom. Normalerweise hätte ein erfahrener Tontechniker das sofort erkannt und hätte alle Musiker zur als erstes aufgenommenen Schlagzeugspur, die bereits minimale rhythmische Verschiebungen und Schwankungen hatte, spielen lassen. Dann hätte jeder der übrigen Musiker diese Spur mit minimalen Schwankungen zum Einspielen gehabt und hätte versucht sich so gut wie möglich rhythmisch „draufzusetzen“. Da aber auch der Techniker / Studioinhaber noch wenig Erfahrung hatte und wir zu seinen ersten Kunden zählten, ließ er uns nach und nach alle nur zum Clicktrack (Metronom) mit dem leise gestellten Guidetrack zur Orientierung aufnehmen.
Das Hörergebnis kannst du dir sichervorstellen: Auch wenn wir alle mehr oder weniger „in Time“ eingespielt hatte, so war doch der eine mal eine minimale Abweichung hinter dem Metronom, während der andere an derselben Stelle kurz vor dem Metronom war. So richtig super „gegroovt“ hat das nicht!
Hinweis: Unten stehend kannst du ein Metronom zum Üben streamen!
Diese kleine Anekdote erzähle ich dir, weil sie mitunter schon recht deutlich macht, was „Groove“ bedeutet. Da ist zunächst mal ein sauberes rhythmisches Zusammenspiel innerhalb einer Band! Damit ein solches gut funktioniert, sollte aber jeder Musiker erst mal für sich in der Lage sein, einen Rhythmus auch über längere Strecken sauber auf den Punkt zu spielen OHNE rhythmisch zu wackeln. Das ist quasi die Voraussetzung für die Band, die sich ja aus all diesen Einzel-Rhythmikern zusammensetzt. Wichtigster „Verbindungsmusiker“ ist hier natürlich der Schlagzeuger, der das rhythmische Herz einer jeden Band bildet.
Spielt der Drummer tight und präzise, ist das in jedem Fall ein Riesengewinn für die gesamte Band. Hier geht es wie gesagt ausdrücklich nicht um spieltechnische Finessen. Hier geht es vor allem um Rhythmus- und Spielgenauigkeit. Wer nicht gerade komplizierten Jazz-Fusion spielt, sollte sich im Zweifelsfall an dem Motto orientieren „lieber einfache Sachen, aber mit großer rhythmischer Präzision spielen, als komplizierte Sachen, die rhythmisch „schlampig“ – sprich ungenau – rüberkommen. Ersteres hat viel eher die Chance zu „grooven“ als Letzteres.
Mein Tunesday Shop, den ich mit Unterstützung meiner Frau betreibe:
Aber wie ich bereits andeutete: Groove ist noch viel mehr als Timing & Spiel- und Rhythmuspräzision innerhalb einer Band – wobei man auch als Einzelmusiker super grooven kann! (Mark King lässt zum Beispiel grüßen – der Level 42 Frontman bringt mit seiner Slapbass-Spieltechnik jeden Bass zum Grooven in unglaublicher rhythmischer Präzision, aber auch viele Rock- oder Soul-Instrumentalisten oder Solo-Musiker wie der verstorbene Flamenco-Gitarrist „Paco de Lucia“ hatten einen unglaublichen Groove, den er im Übrigen auch mit seiner ganzen Band teile…)
Groove ist nicht stilabhängig. Es gibt herausragende „Groove-Meister“ in allen Musik-Genres von Rock (z.B. Deep Purple, AC/DC) über Disco Funk (z.B. Chic, Stevie Wonder) über Reggae (Sly Dunbar und Robbie Shakespeare von Black Uhuru & Peter Tosh lassen grüßen) bis zu meiner persönlichen „Groove-Meister-Band“, der Funk-Rock Band „Mother‘s Finest“ aus Giorgia / USA.
Sie alle eint ein unglaubliches Groove-Feeling, dass die Leute sofort auf die Tanzfläche treibt.
Aber warum ist das so? Nun, zum einen hatten wir bereits herausgearbeitet, dass solide rhythmische Fähigkeiten jedes einzelnen Band-Musikers essenziell sind, aber vor allem das präzise rhythmische Zusammenspiel es ausmacht, ob eine Band „groovt“ oder eben nicht. Aber es ist eben noch mehr! Denn eine wirklich gute „Groove-Band“ erarbeitet sich zum Beispiel irgendeine Synkope einen Tick vorzuziehen, einfach, weil es sich so besser anfühlt. In diese Fall, nicht 100% Metronom-präzise, aber wenn eben ALLE Musiker diese minimale Verschiebung zum richtigen Zeitpunkt auf den Punkt mitspielen, dann ist auch das Teil dieses gewaltigen rhythmischen Etwas das eine super Band versprüht…
Der Groove läuft auf das musikalische Ineinanderverschmelzen der einzelnen Band-Mitglieder hinaus. Nicht mehr der Schlagzeuger oder einer der anderen Musiker entwickelt das individuelle Spielgefühl, sondern die gesamte Band „fühlt“ im wahrsten Sinne des Wortes wie sich der Rhythmus anfühlt und wie welche Passagen zu spielen sind. Und wenn die richtigen Könner ihres Instrumentes zusammengefunden haben und sie alle gemeinschaftlich zusammen dieses unglaubliche, einheitliche Rhythmus-Spielgefühl entwickeln – dann groovt es!
Nachtrag: Wenn du selbst ein gutes Groove-Gefühl entwickeln möchtest, lege ich dir ans Herz zunächst mal viele Rhythmen auf deinem Instrument zum Metronom zu üben, um rhythmische Präzision zu entwickeln. Nachstehend eine Metronom-Playlist.
Wenn du dein Rhythmus-Repertoire als solches aufbauen möchtest und in der Lage sein möchtest Rhythmen zu lesen, entweder in TABS (Tabulatur) oder herkömmlicher Notenschrift, dann schau dir doch mal meinen Rhythmus lesen lernen Premium Kurs an, der deine rhythmischen Fähigkeiten aufs nächste Level heben wird.
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