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Ob ein Song (egal in welchem Musikstil - ob Pop, Rock, Soul, Country etc.) Erfolg hat oder nicht, liegt immer an einer Reihe von Faktoren: Vom Bekanntheitsgrad des Künstlers angefangen, über die Produktionsqualität, der Vermarktungs-Strategie bis zur Eingängigkeit der Komposition, dem Text, das Musik-Arrangement etc. All dies nimmt natürlich darauf Einfluss!
Aber das Wichtigste für einen erfolgreichen Song ist und bleibt die Melodie. Und diese wird von einem harmonischen Gerüst getragen, den sogenannten Kadenzen (Akkordfolgen), die stark mit darüber entscheiden, ob eine Melodie beim Hörer hängen bleibt oder nicht. Denn erst die passenden Harmonien / Akkorde unter einer Melodie, sorgen dafür wie eingängig sie wirklich wirkt. Melodie und Harmonien sollten gut ineinander greifen, wenn ein Song geschmeidig in die Gehörgänge gehen soll und dazu sind manchmal eben auch ein wenig Harmonielehre-Kenntnisse von Vorteil, es sei denn man probiert sehr viel herum.
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I-VIm-IV-V Kadenz
Als immens wichtige Standard-Akkordfolge möchte ich dir zunächst die Kadenz I-VIm-IV-V vorstellen. Diese römischen Ziffern stehen für Akkorde der 1. Stufe (Dur), 6. Stufe (Moll, dargestellt durch das kleine "m"), 4.Stufe (Dur) und der 5.Stufe (Dur oder Dominant-Sept). Da einige von euch mit den Stufen-Akkorden und Akkordbezeichnungen noch nicht so vertraut sind, hier mal ein Beispiel für diese Kadenz in der Tonart C-Dur:
C-Dur, A-Moll, F-Dur & G-Dur oder G7
abgekürzt wird das wie folgt notiert:
// C / Am / F / G // oder // C / Am / F / G7 //
Die Schrägstriche stehen hierbei für die Taktstriche. Ein Akkordsymbol innerhalb von 2 Schrägstrichen steht somit für die Länge eines ganzen Taktes. Es bedeutet, das hier jeweils ein Takt lang die Akkorde (Abkürzungen in Klammern) C-Dur (C), A-Moll (Am), F-Dur (F) und G-Dur (G) bzw. am Ende auch "G7" statt "G" gespielt werden.
Diese Akkordverbindung taucht tatsächlich genau so oder mit leichter Variation der Akkord-Reihenfolge in zahlreichen Hits auf!
Stand by me - Hit KlassiKer dieser Kadenz
Einer der bekanntestens Hits mit dieser Kadenz ist "Stand by me" von Ben E. King aus dem Jahr 1961 (geschrieben laut Wikipedia von Jerry Leiber, Ben E. King und Mike Stoller). In Großbritannien avancierte der Titel 1987 im Rahmen einer Jeans Werbung zum Nummer 1 Hit und wurde seitdem immer wieder gecovert. Und auch heute noch wird er auf unzähligen Feiern, Jubiläen & Hochzeiten etc. gespielt. Erst im Spät-Sommer dieses Jahres konnte ich mich auf der Hochzeit meines älteren Stiefsohnes davon überzeugen, dass auch jüngere Leute den Song wie selbstverständlich und textsicher mitsingen können. :-)
Aber ich deutete ja bereits an, dass die Melodie das Wichtigste ist und diese im besten Fall exzellent von so einer Kadenz getragen wird... und auch die passende Tonart für die Sängerin oder den Sänger ist immens wichtig, damit das Ganze auch wirklich funktioniert. Wie Melodie und Akkorde am besten ineinandergreifen, werde ich ggf. mal in einem anderen Blog-Beitrag besprechen.
Bevor wir zum Transponieren und anderen Kadenzen kommen, hier zunächst mal weitere Hits mit dieser Kadenz...
Weitere Hit-Songs mit dieser Akkordfolge
Weitere Hits mit dieser Kadenz (ggf. variiert oder in eine andere Tonart transponiert) sind:
2. "Every Breath You Take" von Sting / The Police (wobei hier die Akkorde mit "Nonen" erweitert werden):
Die eigentliche Akkordfolge (von der Tonart angepasst an Stings Stimme) ist:
// Abadd9 / Abadd9 / Fmadd9 / Fmadd9 / Dbadd9 / Ebadd9 / Abadd9 / Abadd9 //
Durch die erweiterten Noten ("add9") bekommen die Harmonien eine besondere Note / Klanggfärbung, die garantiert mit zur Unverwechselbarkeit dieses Songs beigetragen hat.
Lassen wir die "Nonen" weg, erhalten wir:
// Ab / Ab / Fm / Fm / Db / Eb / Ab / Ab //
Und das ist im Prinzip unsere Ausgangs-Kadenz, nur in einer anderen Tonart. :-) Denn "schieben wir diese Akkordfolge um vier Halbtöne (große Terz) nach oben, erhalten wir das hier:
// C / C / Am / Am / F / G / C / C //
Wir erhalten also wieder unsere I-VIm-IV-VKadenz in der Tonart C-Dur, nur mit einr kleinen Variation was die Akkord-Längen anbelang. Aber die Grund-Kadenz ist ein und dieselbe!
Es geht also auch darum diese "Grundmuster" in Akkordfolgen zu erkennen, selbst wenn sie leicht variieren. Es geht ferner um die Anpassung an Melodie und die Tonart-Anpassung an die menschliche Stimme... wer sich intensiv damit beschäftigt, dürfte seine "Songwriting-Qualitäten" deutlich erhöhen. Und wie so oft hilt auch hier: Übung macht den Meister!
Fortsetzung weitere Hits mit dieser Kadenz (ggf. variiert oder in eine andere Tonart transponiert):
3. "Let it be" von den Beatles (ebenfalls in leichter Variation der Reihenfolge):
Variation Vers: // C / G / Am / F / C / G / F / C //
Variation Refrain: // Am / G / F / C / C / G / F / C //
4. "Can't help falling in love" von Elvis Presley
5. "With or Without You" von U2 (in Varianten)
6. "Don't Stop Believin'" von Journey
7. "No Woman, No Cry" von Bob Marley
8. "Someone Like You" von Adele (hier vereinfacht)
9. "Torn" von Natalie Imbrugia (vereinfachte Version)
10. "I'm Yours" von Jason Mraz
Du siehst schon: Diese Grund-Kadenz taucht in einigen Variationen in unzähligen Hit-Songs auf! Transponieren wir diese Grund-Kadenz (C/Am/F/G) mal in die Tonart G-Dur: // G / Em / C / D //
Hier geht's heute zunächst mal um Kadenzen an sich und das Transponieren in andere Tonarten. Weshalb ich gleich eine weitere gängige Kadenz vorstellen möchte...
spanische Kadenz: Im-VII-VI-V
Hier noch eine typische Moll-Kadenz, auch als "spanische Kadenz" bekannt: Im-VII-VI-V
Hier steht die 1. Stufe in Moll, gekennzeichnet durch das kleine "m".
Die sogenannte "Flamenco Akkordfolge": A-Moll, G-Dur, F-Dur, E-Dur oder schlicht: Am, G, F, E
Als Akkordschema:
// Am // G / F / E //
Häufig sieht man auch Doppelpunkte nach dem 2. Schrägstrich am Anfang und vor dem vorletzten am Ende:
//: Am // G / F / E ://
Das bedeutet nichts anderes, als dass diese Akkordfolge wiederholt wird.
ACHTUNG: Im Gegensatz zur oben vorgestellten Dur-Kadenz, ist diese Kadenz nicht streng diatonisch. (Das bedeutet nicht nur auf Tönen der natürlichen Moll-Tonleiter - in diesem Fall der A-Moll-Skala - basierend. Denn die natürliche A-Moll-Tonleiter ist das Gegenstück zur C-Dur-Tonleiter aus Tönen der natürlichen Tonreihe OHNE Vorzeichen: a, b, c, d, e, f, g (Ich verwende die internationale Bezeichnung, also kein deutsches "h" für "b"!) Denn der Akkord E-Dur weist als große Terz ein "gis" auf, welches nicht in der natürlichen A-Moll-Tonleiter vorkommt. (Gerade Gitarristen geraten da mitunter beim Solieren gerne etwas ins Schlingern, da sie über den Akkord E-Dur kein "g" aus der natürlichen A-Moll-Tonleiter spielen können, ohne dass es sich reibt.)
Hit Songs mit der Im-VII-VI-V Kadenz
Zunächst mal gibt es etliche Flamenco-Klassiker die auf dieser Kadenz - und eben Gitarre-typisch - auch auf exakt dieser Tonart beruhen!
Ein wirklich berühmter Pop-Klassiker mit dieser Kadenz ist der Song "Hit The Road Jack". Laut Wikipedia von Percy Mayfield geschrieben und 1960 zunächst als A-cappella-Version veröffentlicht, wurde der Song 1961 von Ray Charles (im Duett mit Margie Hendrix) 1961 ein Nummer 1 Hit - sowohl in den amerikanischen Billboard Top 100, als auch den US R&B-Charts.
Die Akkorde werden hier halbtaktig gespielt und im Original ist die Kadenz in der Tonart "Ab-Moll" gehalten, also einen Halbton tiefer als die Original-Flamenco-Sequenz:
// Abm Gb / Fb Eb //
Zahlreichen Cover-Versionen wurden jedoch in der Tonart A-Moll aufgenommen:
// Am G / F E //
Als die "Weather Girls" den Song 1998 veröffentlichten, entschieden siie sich für die Original-Tonart in Ab-Moll ("As-Moll"), was - wie in solchen Fällen üblich - immer den Gesangsstimmen geschuldet ist. Ein guter Musikproduzent, sollte immer darauf achten, in welcher Tonart sich die Gesangsstimmen am besten entfalten.
Im-VII-VI-V Kadenz im Dire Straits Klassiker "Sultans Of Swing"
Die Akkordfolge //: Am / G / F / E :// wird auch in etlichen Rock-Songs als Begleit-Akkordfolge für dieverse Gitarrensoli benutzt (u.a.. von Bands wie Metallica, den Scorpions oder dem Gitarrenvirtuosen Yngwie Malmsteen). Aber auch der heute noch im Radio gespielte Klassiker der Dire Straits "Sultans Of Swing" beruht auf dieser Kadenz, nur eben in der Tonart D-Moll.
Die Akkordfolge der Strophen ist:
//: Dm / C Bb / A / A ://
übertragen in die Tonart A-Moll wäre dies:
//: Am / G F / E / E ://
Auffallend ist hier, dass die VII. und VI. Stufe in Dur nur halbtaktig gespielt wird. Um wieder auf ein Vier-Takte-Schema zu kommen, wird dafür die V. Stufe doppelt solange (2 Takte) gespielt. Das bringt wiederum gitarristisch den Vorteil, dass man die V. Stufe beim Solieren tonal mehr ausreizen kann. (Denn die Dur-Terz von A-Dur - der Ton "cis" - ist nicht Bestandteil der natürlichen D-Moll-Tonleiter und auch nicht der D-Moll-Pentatonik, die Mark Knopfler hier hauptsächlich nutzt!)
Improvisations-Tipps für Gitarristen zum Solieren: Während Mark Knopfler über die Akkorde Dm, C und Bb hauptsächlich die D-Moll-Pentatonik nutzt, spielt er über den Akkord A-Dur auch gerne die A-Dur-Pentatonik oder nutzt Arpeggien bzw. erweitert die D-Moll-Pentatonik um die Dur-Terz von A. (All diese Themem werden auch in meinem Bluesgitarre Online-Kurs behandelt, zu dem es seit Kurzem auch einen "Schnupper-Zugang" für nur 10.- € gibt! Erfahre mehr... )
Transposition bedeutet Anpassung an die Gesangsstimmen
Wie du an oben genannten Beispielen erkennen kannst, werden typische Kadenzen - wie die beiden hier genannten - immer wieder an die jeweiligen Gesangsstimmen angepasst.
Was für Keyboarder manchmal eine echte Herausforderung sein kann, ist für Gitarristen in der Regel ein Leichtes, denn Gitarristen können Akkorde leicht am Griffbrett verschieben. Dafür tun sie sich in der Regel deutlich schwerer beim Noten- oder Leadsheets-Lesen. Aber mit etwas Training sollte auch dies bald leichter von der Hand gehen bzw. leichter zu erkennen sein.
Hier mal ein weiteres Beispiel: Verschieben wir die Kadenz // Am / G / F / E // in die Tonart E-Moll, erhalten wir:
// Em / D / C / B //
Mit "B" ist die internationale Bezeichnung für "B-Major" (B-Dur) gemeint und nicht etwa das (alt)deutsche "B", was international der Bezeichnung "Bb" gleichkäme ("Bi-flät" gesprochen). Mit etwas Übungspraxis sollten dir diese Übertragungen in andere Tonarten bald leicht gelingen. :-)
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