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Weshalb verschickt Fender Abmahnungen?
In diesem Reel habe ich das Wichtigste in nur 3 Minuten zusammengefasst. Tiefer ins Details steige ich weiter unten ein, wo ich auch die Youtube-Stellungnahmen von geschätzten Kollegen zur besseren Orientierung mit eingebunden habe.
Derselbe Reel hat übrigens auf meinem Instagram Account über 50.000 Aufrufe erhalten, woran man bereits das außerordentliche Interesse unter E-Gitarristen und die Brisanz ablesen kann.
Zum Sachverhalt & dem Urteil des Landgerichts Düsseldorf
Leo Fender, der Gründer der Firma Fender (der selbst nicht Gitarre spielte) entwickelte mit George Fullerton diverse Gitarrenmodelle, darunter die weltweit am häufigsten verbreitete "Stratocaster", die bereits 1954 auf den Markt kam. Leo Fender selbst, der 1991 in Kalifornien verstarb, setzte nie irgendwelche rechtlichen Ansprüche gegenüber der Bauform seines beliebtesten Gitarrenmodells durch. Er wird ansonsten gerne mit Henry Ford verglichen, denn durch neue Produktionsmethoden, sorgte er ähnlich wie in der Automobilindustrie für erschwingliche Preise für Musiker.
2025 scheint der Zeitgeist in der Fender Führungsetage ein anderer zu sein. Nach einem verlorenen Markenrechtsstreit in den USA im Jahr 2009, startet der inzwischen auf ca. 3.200 Mitarbeiter (Quelle: Wikipedia) gewachsene Konzern Fender Musical Instruments Corporation Inc. (FMIC) einen zweiten Anlauf über das deutsche Urheberrecht.
Die Google KI fasst das folgenermaßen zusammen: "Der Trick: Da die Korpusform in den USA und vielen anderen Ländern seit einem verlorenen Markenrechtstreit im Jahr 2009 als gemeinfrei (Public Domain) gilt, nutzt Fender nun in Europa die Hintertür des deutschen Urheberrechts. Das Urheberrecht greift im Gegensatz zum Markenrecht auch ohne vorherige Registrierung und schützt Werke bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Schöpfers (im Fall von Leo Fender also mindestens bis 2041)."
Um den Sachverhalt besser nachvollziehen zu können, verlinke ich hier den Auszug aus der Rechtssprechungsdatenbank NRW zum einschlägigen Gerichtsurteil des Landgerichts Düsseldorf.
Letztlich dürfte es auf die Entscheidungen weiterer Gerichte ankommen, denn das bisherige Urteil war ein Säumnisurteil, bei dem die beklagte chinesische Firma nicht erschien und auch keinen Rechtsvertreter entsandte.
Warum ich Magenschmerzen bei der Vorgehensweise von Fender habe...
Das Portal guitar-player.com, dem nach eigenen Angaben die Kopie eines der Abmahnschreiben vorliegt, schreibt dass u.a. die „Vernichtung der rechtsverletzenden Produkte“ darin gefordert wird. Das berichten auch weitere Portale & Youtuber... und darüberhinaus ist auch vom "Rückruf" bereits ausgelieferter Instrumente die Rede, die ebenfalls "vernichtet" werden sollten - so zumindest die Forderung nach diesen Berichten, u.a. bei asatunews.
Sowohl diesen Berichten, als auch den Stellungnahmen diverser Youtuber ist zu entnehmen, dass viele kleine Hersteller sich derart unter Druck gesetzt fühlen, dass sie um ihre Existenz fürchten müssen. Der kleine US-Hersteller LSL Instruments hat HIER eine GoFundMe Kampagne aufgesetzt, um Geld zu sammeln, um sich überhaupt die Anwälte für eine juristische Verteidigung gegen das Vorgehen von Fender leisten zu können.
So sehr ich selbst als Autor, Songwriter, Musikproduzent und Selbstverleger größtes Verständnis für Schutzrechte wie das Urheber- oder Leistungsschutzrecht habe (und normalerweise als Musik-Blogger - der ich ebenfalls bin - eher die Rolle des Beobachters einnehme, als die Ereignisse zu "bewerten"...), möchte ich hier mal meine persönliche Einordnung abgeben:
Ob ein Design, das bereits seit 72 Jahren auf dem Markt ist, noch "schutzwürdig" ist, ist eine Sache die man diskutieren kann. Kleine Konkurrenten, die sich seit Jahrzehnten darauf verlassen haben, dass es hier keinerlei Probleme gibt, in ihrer Existenz zu bedrohen, ist eindeutig alles andere als ein "feiner Zug". Und die "Vernichtung" bereits hergestellter und auch ggf. schon ausgelieferter Instrumente zu fordern, ist in meinen Augen schlicht ein "Sakrileg"!
Das macht man nicht, wenn dein Herz nur halbwegs für die Musik, die Instrumentenkultur, die Musiker und die Instrumentenbauer schlägt... wer soetwas fordert, lebt schlicht nicht den Geist von Leo Fender, der das Nachbauen seines Strat-Modells zeitlebens tolerierte. Und in den USA wurde im Jahr 2009 scheinbar diese Bauform von einem Gericht zum gemeinfreien "Allgemeingut" (Public Domain) erklärt. Das bedeutet, das Fender auf dem amerikanischen Markt selbst keinerlei Rechte bezüglich der Korpus-Bauform duchsetzen kann. (Ausnahme scheint die Kopfplatte mit dem Schriftzug)
Hier scheint eine Konzernführung etwas entschieden zu haben, die weder nahe "am Puls" der Musiker zu sein scheint, noch irgendwelche Skrupel gegenüber wirklich leidenschaftlich arbeitenden Gitarrenbauern hat. Denn viele dieser "kleinen" Gitarrenbauer arbeiten mit viel Liebe zum Detail und haben durch viele Feinabstimmungen die ursprüngliche Stratocaster durchaus verbessert. (Höre dazu auch das Statement von Tim Pierce im Video weiter unten...)
Es geht mir (und wohl auch vielen anderen Gitarristen weltweit) weniger darum, dass ein Hersteller sich hier gegen Nachbauten schützen möchte, sondern darum wie er das macht. Wie ich in meinem kurzen Eingangs-Reel erwähnte, hätte Fender auch schlicht eine Lizenzabgabe fordern können. Je nach Höhe, wäre das ggf. verhältnismäßig und alle Beteiligten hätten sich außergerichtlich auf einen fairen Deal einigen können. So wie es aber jetzt zu laufen scheint, ist die allgemeine Verunsicherung extrem groß, denn niemand weiß so richtig wie weit welche Forderung letztlich juristisch durchsetzbar ist, wen es als Nächstes treffen könnte, welche Folgen es für die gesamte Szene geben wird und welche Händler und Hersteller genügend Finanzkraft aufbringen, um sich juristisch zu verteidigen.
Entsprechend groß ist der Ärger unter Gitarristen. Viele erklären bereits öffentlich keine Fender-Produkte mehr kaufen zu wollen.
Rechtfertigt eine Bauform die bereits seit 1954 auf dem Markt ist noch besondere Schutzrechte für den Hersteller?
Das Problem bei einem Versäumnisurteil ist, dass hier nur eine der beiden Streit-Parteien vorgetragen hat. Auch wenn ich den konkreten Fall bzw. die dahinter liegenden Rechtsverstöße nicht beurteilen kann (denn nicht wenige Hersteller in China scheren sich einen Dreck um das Urheberrecht... fälschen nicht selten auch Markenlogos etc.), so stellt sich doch generell die Frage ob eine Gitarrenform, die zwar ikonisch sein mag, aber dennoch auch Parallelen zu anderen Vorgänger-Bauformen hat, nach 72 Jahren auf dem Markt noch besondere Schutzrechte genießen darf?
Zumal wenn sich sowohl Händler als auch Hersteller - ob klein oder groß - in den vergangenen Jahrzehnten darauf verlassen konnten, dass es keinerlei Probleme mit dem Nachbau dieser Body-Form (Kopfplatte und Hersteller-Logo ausgenommen) gab. Zumal Leo Fender die E-Gitarre nicht neu erfunden, sondern lediglich den Bedürfnissen der Gitarristen angepasst hatte. Auch andere Gitarrenmodelle zuvor hatten bereits Cutaways etc. Wie sieht es darüberhinaus mit der allgemeinen Rechtssicherheit und dem Schutzbedürfnis nach Rechtssicherheit für Hersteller, Händler und Verbraucher aus?
All diese Fragen könnten Gegenstand weiterer Gerichtsverfahren werden. Denn zum einen könnten Landgerichte in anderen Orten anders entscheiden und zum anderen könnten höherrangige Gerichte (Oberlandesgericht, Bundesgerichtshof) bestehende Entscheidungen auch wieder aufheben.
Interessant dürfte so ein Prozess werden, wenn sich andere große Hersteller oder Händler, die sich ebenfalls teure Anwälte leisten können, gegen die Vorwürfe juristisch wehren und entsprechende Gegenargumente vorbringen. Etwa dass auch die Stratocaster Bauform an bereits existierende Gitarrenmodelle angelehnt war... mit Spannung wird wohl in der Szene ein Gerichtsverfahren Fender gegen Thomann (den weltweit größten Musikinstrumentenhändler, der ebenfalls auch zum Hersteller geworden ist, eigene S-Style Gitarren unter seiner Hausmarke "Harley Benton" anbietet und entsprechend eine Doppelrolle einnimmt) erwartet. Hier wären zwei Schwergewichte der Branche im Ring. Aber ob es zu so einem Prozess überhaupt kommt, ist nie 100% sicher, da sich die Parteien auch untereinander außergerichtlich einigen könnten. Ein abschließendes Urteil jedoch, könnte ggf. auch weitreichende Auswirkungen insbesondere für kleine E-Gitarre-Hersteller haben.
Alles ist möglich: Dass es letztlich glimpflich ausgeht für kleine Hersteller und Händler oder auch, dass etliche in den Konkurs getrieben werden, was einem Fiasko für die Musikszene gleichkäme.
Stellungnahmen von Juristen zum Thema
In der Gitarristen-Szene scheint es auch einige Volljuristen zu geben, die dieser Fall ebenfalls bewegt:
Ich empfehle diese Beiträge zu lesen... :-)
Da sich nun auch bereits einige Juristen öffentlich zu den Vorgängen äußern, teile ich hier noch zwei Stellungnahmen von Juristen, die mir beide früh ins Auge gesprungen sind bei meinen Recherchen, weshalb ich sie gerne verlinke:
Rechtsanwalt Max Greger aus München war einer der ersten Juristen, der zu dem Fall in Deutschland bloggte.
Seine Stellungnahme findest du HIER.
Rechtsanwalt Stefan Grunow aus Berlin verfasste frühzeitig einen Artikel auf der Plattform anwalt.de.
Seine ebenfalls lesenswerte Stellungnahme findest du HIER.
Image-Schaden für Fender?
In meinen Augen - und auch den vieler altgedienter Kollegen - ist der Image-Schaden für die Marke Fender jetzt schon enorm!
Immer mehr Musiker wenden sich von Fender ab. In den Kommentaren zu meinen Reels haben viele Gitarristen geschrieben keine Fender Produkte mehr kaufen zu wollen. Der bekannte amerikanische Studiogitarrist Tim Pierce (dessen Video ich unten eingebunden habe und der gute Kontakte zu etlichen Fender Mitarbeitern zu haben scheint), spricht gar von "Marken-Selbtmord" ("brand suicide" im Original) und hat sein Video "Thumbnail" mit einem großen "R.I.P" (für "rest in piece" - Ruhe in Frieden) ausgestattet.
Was sich die Führungsetage des alteingesessenen Gitarren-Herstellers bei der Aktion wohl gedacht hat?
Das Gespräch mit anderen Herstellern, Händlern und Musikern haben sie offensichtlich NICHT im Vorfeld gesucht...
Hier weitere Videos von geschätzten Kollegen zum Thema:
Kaum ein anderer Gitarrist hierzulande wird wohl so sehr mit der Marke Fender und seinem beliebtesten E-Gitarre-Modell "Stratocaster" in Verbindung gebracht wie Thomas Blug. Thomas ist nicht nur ein Ausnahmegitarrist, sondern gehörte auch jahrelang zum Entwickler-Team von Hughes & Kettner, bevor er seine eigene Firma Bluguitar gründete.
Gitarristen können mir gerne ihre Youtube-Links zum Thema senden!
THOMAS bLUG (bLUGUITAR)
Deutschlands wohl bekanntester, leidenschaftlicher Stratocaster-Spieler und selbst Hersteller von Amps und Gitarren, Thomas Blug, teilt hier seine Gedanken. Von Thomas erfährst du, dass er selbst bereits vor Jahren durch eine Abmahn-Forderung in Höhe von 500.000.- € betroffen war... zudem spricht er das "Mindset" hinter derartigen Forderungen an.
Tim Pierce
Der bekannte US-Studio-Gitarrist Tim Pierce benutzt übersetzt etwa den Video-Titel "Fender begeht Marken-Selbstmord" ("Fender Commits Brand SUICIDE" im Original...). Sein Videos war eines der ersten über die ich gestolpert bin. Und es erklärt warum eine deutsche Gerichtsentscheidung, die zunächst nur für die EU bindend ist, sich trotzdem auf Tims befreundete Gitarrenbauer (unabhängige, aber auch welche bei Fender selbst) auswirkt, wegen den Export-Optionen der Gitarrenbauer in die EU.
Rhett Shull
Der Gitarrist und Youtuber Rhett Shull sagt und schreibt, dass er mit Fender zusammengearbeitet habe, keinen Groll gegen das Unternehmen an sich hege, aber dass es jetzt Zeit sei, dass sich die Gitarren-Community gegen diese Entwicklung "wehrt"...
Gerne kannst du weiter unten einen Kommentar zum Thema abgeben. Bleibe dabei bitte sachlich trotz aller Kritik, die du ggf. loswerden möchtest...
Nachtrag vom 28.05.26:
Die Fender-Abmahnaffäre nimmt im öffentlichen Raum weiter an Fahrt auf - eigentlich höchste Zeit für den Konzern zu reagieren, seine bisherige "Strategie" zu überdenken und sich der aufgebrachten Gitarristengemeinde versöhnlich entgegenzustellen - sollte man zumindest meinen...
Die Sache in nun auch bei Wikipedia angekommen. Ich zitiere aus dem Eintrag, der sich hier auf das Düsseldorfert Gerichtsurteil bezieht:
"Obwohl Zweifel an der Wirksamkeit des Urteils bestehen (der Gegner war nicht erschienen), leitet Fender Maßnahmen zur Durchsetzung seiner vermeintlichen Ansprüche ein, u. a. auch die „Vernichtung der rechtsverletzenden Produkte“."
Quelle: Fender-Eintrag bei Wikipedia
Und auch im Nichtmusiker-Medien-Mainstream ist das Thema angekommen. Ich zitiere hier aus einem Focus-Artikel :
"Neben dem Verkaufsstopp verlangt der Konzern den Rückruf sowie die Zerstörung vorhandener Bestände. Bei Zuwiderhandlung drohen den betroffenen Firmen empfindliche Geldstrafen von bis zu 250.000 Euro pro Instrument."
... und weiter:
"Vorgehensweise von Fender löst heftige Proteste aus"
Quelle: Focus-Artikel vom 27.05.2026
Und die NZZ schreibt von einem "PR-Desaster"!
Quelle: NZZ-Artikel vom 23.05.2026
Auch im amerikanischen Wall Street Journal ist das Thema nun angekommen:
"The brewing fight over the world's most popular electric guitar"
Nachtrag vom 29.05.2026:
PRS (Paul Reed Smith Guitars) gibt an ebenfalls einen Abmahnbrief von Fender erhalten zu haben. Das berichtet das Gitarren-Online-Magazin "guitar world". Betroffen scheint das John Mayer's Signature Modell "PRS Silver Sky" zu sein. Mehr Infos unter dem verlinkten Artikel.
Quelle: Artikel in guitarworld.com vom 28.05.2026
Nachtrag vom 01.06.2026:
Nach einer massiven Protestwelle aus der Gitarristen-Szene sah sich Fender offensichtlich zu einer Stellungnahme genötigt.
Eine solche wurde nun im Guitarworld Magazin abgedruckt und eingeordnet. Der Hersteller gibt dabei vor zu Gespächen mit den verschiedenen Herstellern von S-Style-Gitarren bereit zu sein. Man wolle vor allem "exakte" Body-Kopien verhindern, wobei gerade das ja noch streitgegenständlich ist und es dazu verschiedene Auffassungen unter Herstellern gibt, zumal das deutsche Gerichtsurteil (das der ganzen Aktion zugrunde liegt) ja als Säumnisurteil - und damit ohne Erwiderung von Gegenargumenten - ergangen ist.
Quelle: Artikel in guitarworld.com vom 27.05.2026
Thomann hat rechtliche Schritte gegen fender eingeleitet
Nachtrag vom 22.06.2026:
Der größte Musikalienhändler der Welt - das Musikhaus Thomann in Burgebrach - gibt auf seiner Webseite bekannt rechtliche Schritte gegen Fender eingeleitet zu haben! Der Reaktion von Thomann haben unzählige Gitarristen weltweit entgegengefiebert.
Da die Stellungnmahme für sich spricht, empfehle ich diese im Original und gänzlich durchzulesen...
Quelle: Thoman Blog Artikel vom 22.06.2026
Das Thema ist nun auch im ÖRR angekommen: Der SWR berichtet von "Folgen für Gitarrenhersteller weltweit" im "Gitarrenstreit um die Stratocaster"...
Quelle: SWR Meldung vom 22.06.2026












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Emu (Donnerstag, 28 Mai 2026 09:27)
Danke für den informativen Beitrag
Jörg Sieghart (Künstlername: Jo Oliver) (Donnerstag, 28 Mai 2026 11:57)
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